Die computergestützte Sofortbelastungsimplantologie ist ein fortschrittliches Verfahren, das es ermöglicht, Zahnimplantate einzusetzen und eine provisorische Prothese unmittelbar nach dem Eingriff zu befestigen. Dieser Ansatz ist besonders vorteilhaft für Patienten, die die lange Wartezeit zwischen dem Einsetzen der Implantate und der endgültigen Prothese vermeiden möchten – ein Zeitraum, der bei herkömmlichen Implantatmethoden zwischen drei und sechs Monaten liegen kann.
Ein weiterer Vorteil besteht in Fällen, in denen Zähne extrahiert werden müssen: Die gesamte Behandlung kann in einer einzigen chirurgischen Sitzung durchgeführt werden.

Fall, in dem im oberen Zahnbogen ein Implantat und fünf zu extrahierende Zähne vorhanden sind

In einer einzigen Sitzung werden die Extraktionen, das Einsetzen der Implantate und der provisorischen Prothese durchgeführt
Ablauf des Verfahrens
1. Erfassung digitaler Bilder
In der ersten Phase wird eine 3D-Computertomographie (CT) oder eine digitale Volumentomographie (DVT – Cone Beam Computed Tomography) des Mundes und der Kieferstrukturen durchgeführt. Diese Daten sind entscheidend, um die Qualität und Dichte des Knochens sowie die Lage von Nerven oder Kieferhöhlen zu beurteilen.
In der zweiten Phase wird ein optischer Scan des Gebisses erstellt (anstelle herkömmlicher Abdrücke), um die radiologischen Daten mit der klinischen Situation abzugleichen. Diese Informationen helfen zu bestimmen, ob eine Sofortbelastung möglich ist, da hierfür eine ausreichende Knochenstruktur erforderlich ist
2. Erweiterte digitale Planung
Die gesammelten Bilder werden in eine Planungssoftware hochgeladen, die ein dreidimensionales Modell des Mundes des Patienten erstellt. In dieser Phase kann der Zahnarzt mit höchster Präzision die Anzahl und Position der Implantate sowie deren Ausrichtung, Länge und Durchmesser festlegen. Die Planung umfasst auch die Anfertigung der provisorischen Prothese, die unmittelbar nach den Implantaten eingesetzt wird.

Beispiel für die Implantatplanung (in Grün)

Genaue Übereinstimmung des Implantates
In der dreidimensionalen Projektion des Bildes auf der rechten Seite ist oben links die Platzierung der sechs Implantate in der Knochendicke zu sehen, unten links sieht man die Implantate in der Frontalansicht und rechts die neun Knochensektionen mit dem Implantat in der Seitenansicht.
3. Erstellung der chirurgischen Bohrschablone
Die digitale Planung wird zur Herstellung einer individuellen chirurgischen Bohrschablone genutzt, die meist durch 3D-Druck gefertigt wird.
Diese Schablone passt perfekt in den Mund des Patienten und enthält Öffnungen an den genau definierten Stellen für die Implantate.

Transparente chirurgische Schablone mit Bohrungen an den Implantatpositionen
4. Chirurgischer Eingriff mit Sofortbelastung
Einsetzen der Implantate
Diese Bohrschablone gewährleistet, dass jedes Implantat genau gemäß der digitalen Planung positioniert wird, wie auf dem untenstehenden Foto deutlich zu erkennen ist.

Dreidimensionales Modell des Zahnbogens des Patienten mit den gemäß der Planung eingesetzten Implantaten
5. Befestigung der provisorischen Prothese
Unmittelbar nach dem Einsetzen der Implantate wird eine provisorische Prothese angebracht, die bereits in der Planungsphase angefertigt wurde und die Präzision der Planung bestätigt. Diese ermöglicht es dem Patienten, direkt nach dem Eingriff zu kauen. Die provisorischen Zähne sind so konzipiert, dass sie sowohl funktional als auch stabil sind.

Prothese vor dem Eingriff

Neue Prothese nach dem Eingriff
6. Heilungsphase
Während der folgenden Monate integriert sich das Implantat mit dem Knochen (ein Prozess, der als Osseointegration bezeichnet wird). Während dieser Zeit trägt der Patient die provisorische Prothese, die erst nach vollständiger Integration der Implantate durch die endgültige Prothese ersetzt wird.
Vorteile der computergestützten Sofortbelastungsimplantologie
- Sofortige funktionale und ästhetische Wiederherstellung
Der Patient kann noch am Tag des Eingriffs wieder kauen und lächeln, ohne eine zahnlose Phase oder eine herausnehmbare provisorische Prothese ertragen zu müssen. - Höchste Präzision
Die digitale Planung und die Nutzung der Bohrschablone ermöglichen eine extrem genaue Implantatplatzierung, wodurch das Risiko von Verletzungen empfindlicher Strukturen wie Nerven oder Kieferhöhlen minimiert wird. - Reduziertes chirurgisches Trauma
Dank der präzisen Planung ist der Eingriff weniger invasiv, wodurch Schwellungen und postoperative Schmerzen verringert werden. Zudem ist keine Lappenbildung oder Naht erforderlich. - Verkürzte Behandlungszeit und weniger Sitzungen
Die Sofortbelastung ermöglicht eine komplette Behandlung in nur einer Sitzung, wodurch sich die Gesamtanzahl der Zahnarztbesuche und die Zeit bis zum Endergebnis erheblich verkürzen.
Zusammenfassend ermöglicht die computergestützte Sofortbelastungsimplantologie vorhersehbare Ergebnisse durch detaillierte digitale Planung, personalisierte chirurgische Schablonen und die Möglichkeit, sofort nach der Implantatinsertion eine provisorische Prothese einzusetzen. Dies macht die Behandlung schneller und komfortabler und ermöglicht es dem Patienten, sofort von einer vollen Funktionalität und einem ästhetisch ansprechenden Lächeln zu profitieren – ohne die Unannehmlichkeiten einer herausnehmbaren Prothese, die besonders bei Patienten mit mehreren zu extrahierenden Zähnen oft schwer toleriert wird.
Hinweis: Diese Methode ist nicht empfehlenswert, wenn zum Zeitpunkt des Eingriffs Infektionen an den Zahnwurzeln oder im Knochen vorliegen.
